Literaturinformationszentrum
ENEnglish   FRFrancais
SKSlovensky   RURussian

 
Erweiterte Suche
[de] bednar_a.jpg

Bednár, Alfonz (1914) PORTRäT DER PERSöNLICHKEITAlbum SK

Kurz über den Autor

Alfonz Bednárs mehr als dreißigjähriges Wirken in der slowakischen Literatur brachte deren Prosafonds ausdrucksstarke künstlerisch wertvolle Werke ein. Mochte er von der Kritik auch der sog. Aufstandsprosa zugerechnet werden,so war er doch von Anfang an ein eigenständiger Autor, der keine fertigen gedanklichen Schemata aufgriff,sondern von Anbeginn seinen eigenen schöpferischen Weg ging - mochte er auch fortwährend auf den Unwillen der Mächtigen und die Verständnislosigkeit der Kritiker stoßen. Schon in dem Roman Der gläserne Berg, der Tagebuchbeichte einer jungen Frau, deren Ringen um die Bewältigung der eigenen Vergangenheit tragisch endet, ersetzte Bednár den bislang strikt gesellschaftlich determinierten Helden durch einen Helden mit individuellem und darüber hinaus tragischem Schicksal. Sein ungewöhnliches Leserecho verdankte der Roman nicht nur dem Mut des Autors, sondern auch der Tatsachen, daß Bednár neue Mittel des Romanaufbaus in die slowakische Prosa einbrachte:ein Sujet mit "Geheimnis", den Wechsel mehrerer Zeitebenen, die intime Tagebuchform der Aufzeichnungen, die hervorragende Erzählweise und die souveräne Beherrschung vielfältiger Erzähltechniken der modernen, vor allem der angelsächsischen Prosa. Das kam auch besonders in den Novellen Stunden und Minuten zum Ausdruck.
Ein modernes episches Zeugnis über ein slowakisches Dorf während eines halben Jahrhunderts ist der Roman Der Donnerkeil. Die posthume Herausgabe der Romanepopöe Äcker hat die hohe künstlerische Qualität von Bednárs Werk und seinen festen Platz in der modernen slowakischen Literatur nur noch bestätigt.

Kurze Charakteristik der Werke

Prosa:
gläserne Berg(Sklený vrch, 1954), Stunden und Minuten (Hodiny a minúty, 1956), Der Fremde (Cudzí, 1960), Der Donnerkeil (Hromový zub, 1964), Der Balkon war zu hoch (Balkón bol privysoko, 1968), Für eine Handvoll Kleingeld /in der Kassete aus Péšávar/(Za hrsť drobných /v kazete z Péšávaru/, 1974), Für eine Handvoll Kleingeld /im künstlichen Cäsar/(Za hrsť drobných /v umelom Cézarovi/, 1977), Block 4/B (Blok 4/B, 1977), Bei Humpen Pech (Pri holbách smoly, 1978), Für eine Handvoll Kleingeld /vom Entwicklungsplaneten Tryfé/(Za hrsť drobných /z rozvojovej planéty Tryfé/, 1981), Wie wir die Wäsche trockneten (Ako sme sušili bielizeň, 1985), Die Aussage (Výpoveď, 1986), Der einsame Havran (Osamelý Havran, 1988), Äcker 1 - 2 (Role 1 -2, 1995)

Kinder-und Jugendliteratur:
Der Baum (Strom, 1949), Vergebliche Gelüste auf Leckerbissen (Márne chúťky na pochúťky, 1950), Zwei Bäume (Dva stromy, 1963)

Essays:
Griechisches Stilleben (Grécke zátišie, 1958), Aus Gesprä chen oder Edele und andere Dinge dieser Welt (Z rozhovorov alebo Edele a iné veci tohto sveta, 1994)

Filmszenarien:
Die Wiege (Kolíska, 1957, zus. mit E. Grečner), Die Sonne im Netz (Slnko v sieti, 1963), Die drei Töchter (Tri dcéry, 1966), Pech und Tränen (Smola a slzy, 1968), Ein Genie (Génius, 1968), Ahorn und Juliana (Javor a Juliana, 1971), Eine große Nacht, ein großer Tag (Veľká noc, veľký deň, 1974, zus. mit Š. Uher), Penelope (Penelopa, 1975), Freundinnen (Kamarátky, 1977), Meine rabenschwarzen Pferde (Moje kone vrané, 1979, zus. mit Š. Uher)

ÜBERSETZUNGSTÄTIGKEIT
Übersetzte englische und amerikanische Prosa: D. Defoe, A. C. Doyle, H. Fast, J. Galsworthy, E. Hemingway, J. K. Jerome, S. Lewis, J. London, G. B. Shaw, M. Twain, sowie Werke deutscher und tschechischer Autoren (S. Heym, I. Olbracht).

ÜBERSETZUNGEN SEINER WERKE
Der gläserne Berg (1958 tschechisch, 1962 ungarisch, 1965 serbokroatisch)
Der Fremde (1960 tschechisch)
Der Donnerkeil (1968 tschechisch)
Der Balkon war zu hoch (1970 tschechisch, 1979 polnisch)
Stunden und Minuten (1971 slowenisch, 1974 deutsch, 1986 polnisch, japanisch)
Für eine Handvoll Kleingeld 1 (1972 ungarisch,1973 tschechisch, 1980 polnisch,1984 lituaisch)
Für eine Handvoll Kleingeld 2 (1977 tschechisch)
Die Wiege (1964 serbokroatisch,1975 bulgarisch)
Haus 4/B (1979 tschechisch)

Lebenslauf

Geb.am 19.Oktober 1914 in RoÏnová Neporadza. Er absolvierte das Studium der klassischen Philologie, der tschechischen und slowakischen Sprache an der Karl-Universität in Prag (1934 - 1938)und Komenský - Universität in Bratislava (1938 - 1940). Dann wirkte er als Mittelschullehrer in Liptovský Mikuláš und Bardejov. In den Jahren 1948 - 1961 arbeitete er als Lektor im Verlag Pravda und als Redakteur im Verlag Slovenský spisovateľ. Ab 1960 war er fast zwanzig Jahre als Dramaturg und Drehbuchautor beim Slowakischen Film in Bratislava tätig. Am 9. November 1989 starb er in Bratislava.

Über den Autor

Der gläserne Berg stellt den Beginn des Tauwetters in der slowakischen Literatur dar und den Beginn der Reaktion auf die vereinfachten, schematischen, schreiend demagogischen Opusse kommu- nistischen Heldentums.
Robert B. Pynsent

Dieser letzte Mohikaner der klassischen großen Erzählungen hörte nicht auf zu glauben, dass seine Romane und Filmdrehbücher in der Gesellschaft eine therapeutische Mission erfüllen können. Sein Kampf mit der Zeit ist ein Kampf um die Möglichkeit, menschlich und vor allem moralisch zu handeln. Falls deshalb die prokommunistischen Schriftsteller im Krieg und im Aufbau des Sozialismus die Gelegenheit sahen, die Position der kommunistischen Helden zu festigen, demonstrierte er bildreich in seinen Büchern Der gläserne Berg, Stunden und Minuten und Der Fremde, wie geschichtlich und existentiell angespannte Situationen die Charakterschwäche bloßlegen. Als seine Zeitgenossen die Erfolge der Kollektivisierung in der Landwirtschaft feierten, dokumentierte er in seinen ausführlichen Epopöen Äcker I - IV, dass es faktisch zur Zerstörung des Bauerntums als bedeutenden charakterbildenden, gesellschaft-und kulturtragendes Phänomen kam. Seinen Mitmenschen zeigte er in einer ganzen Serie von Romanen unerbittlich, wie man das Ideal vom freien Menschen gegen eine manipulierfähige Hörigkeit, einen leeren Konsummaterialismus und eine emotionale Wüste austauschte. In der Trilogie versetzt er sich in die Rolle eines Hundes, um in der Groteske das Hundeelend dieser Leere zu verdeutlichen. Leider haben die jüngeren Leser nicht mehr die Geduld, seine detaillierte Erforschung der Zusammenhänge und der moralisch exemplarischen Demonstration aller Folgen und Metastasen dieser Deformationen zu verfolgen...

Viliam Marčok

Ausschnitt aus dem Werk

DER STEINERNE BRUNNEN (Auszug)
Zum Seitenanfang  |  Literaturinformationszentrum  |  Kontakt  |  Sitemap  |  Druckversion

Copyright © 2003 – 2009 Literárne informačné centrum. Alle Rechte vorbehalten.  Design und Programmierung core4.sknustep.net