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Beniak, Valentín (1894) PORTRäT DER PERSöNLICHKEITAlbum SK

Kurz über den Autor

Beniak ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit der slowakischen Poesie. Seinen dichterischen Anfängen ist der Einfluss heimischer und ausländischer Autoren anzusehen, den er jedoch bereits in der ersten Gedichtsammlung überwand, indem er seinen eigenen Weg einschlug. Darin dominierte zunächst die tiefe Verbundenheit mit der Heimat, mit dem dörflichen Leben. Mit der Suche nach einer eigenen Philosophie des Dichters-Solitärs schwächen sich die idyllischen Elemente seiner Poesie ab. Er überrascht mit einer frischen metaphorischen Umsetzung seiner sinnlichen Vorstellungen, ein spezielles Merkmal des slowakischen Poetismus. Er bleibt jedoch seiner philosophischen Sicht treu und empfindet zutiefst die Tragik des menschlichen Lebens und die Gefühle der liebevollen Zusammengehörigkeit mit dem Menschen. Ein besonderes Kapitel bilden seine durch die Reise nach Italien und Frankreich inspirierten Sammlungen (Widerhall der Schritte, Königliche Kette, Lunapark). Durch kleine Erlebnisse und Impressionen bringt er dem Leser auch historisch große Persönlichkeiten und kulturelle Momente intim nahe. In der Sammlung Die Brieftaube beginnt eine Veränderung der Sicht auf die Welt mit der Reflexion der nahenden kriegerischen Ereignisse (Italien und Deutschland). Die Zeitprozesse empfindet er noch viel intensiver in der Sammlung Buchecker. Die Kriegsereignisse finden ihren Niederschlag in den Sammlungen der Jahre 1939 bis 1945. Das sind Gedichte voller persönlicher Unruhe, Furcht vor einer Bedrohung (der Welt, der Nation, der Menschen), gehüllt in das metaphorische Gewand der Poesie. Den Höhepunkt seines Schaffens stellen die Sammlungen Sophia, Der Aschenmittwoch und Fahrender Sänger dar. In ihnen spiegelt sich dichterisch die aufgewirbelte Welt des Krieges, mündend in die sehnsüchtige Vision des Friedens. Enthüllt werden darin die umfangreichen Räume des Gefühls- und Gedankendramas des Menschen dieser Zeit unter dem Einfluss der durch machtpolitische Interessen ausgelösten historischen Ereignisse. Als Dichter wahrt Beniak einen gewissen Abstand, er verlässt sich auf die Kraft und Souveränität der dichterischen Aussage über das dramatische Zeitgeschehen, über die inneren Kämpfe eines Menschen, seine Tragik, aber auch über die Liebe zu den Menschen.

Kurze Charakteristik der Werke

Poesie:
Ziehen wir weiter durch die Wolken (Tiahnime ìalej oblaky, 1928), Widerhall der Schritte (Ozveny krokov, 1931), Königliche Kette (Kráľovská reťaz, 1933), Lunapark (1936), Brieftaube (Poštový holub, 1936), Buchecker (Bukvica, 1938), Vigilie (Vigília, 1939), Sophia (Žofia, 1941), Vier Legenden des hl. Gral (Štyri legendy sv. Grála, 1941), Zweite Vigilie (Druhá vigília, 1942), Der Aschenmittwoch (Popolec, 1942), Fahrender Sänger (Igric, 1944), Edelwicke (Hrachor, 1967), Gesammelte Ähren (Klásky zo zberu, 1968), Der weinende Amor (Plačúci Amor, 1969), Vorabendliche Sonette (Sonety podvečerné, 1970), Medaillons, groß und klein (Medailóny a medailónky, 1971), Unvollendete Symphonie - Abendliche Sonette (Nedokončená symfónia - Večerné sonety, 1994), Abrahams Rondelle und andere Gedichte (Abrahámske rondely a iné básne, 1994), Nenogista roze (2011) - in der Poesiesammlung in lettischer Sprache erschien eine Auswahl aus seiner Poesie.

Essays:
Für sich und Euch (Sebe i Vám, 1943)

Kinder- und Jugendliteratur:
Findelkind (Stratenko), Slowakische Volksmärchen (Slovenské ľudové rozprávky, 1994)

ÜBERSETZUNGSTÄTIGKEIT
Beniak übersetzte Meisterwerke der Weltliteratur von J. W. Goethe, W. Shakespeare, O. Wilde und anderen. Er dichtete auch eine Auswahl aus der ungarischen Poesie des 20. Jahrhunderts nach.

ÜBERSETZUNGEN SEINER WERKE
Beniaks Gedichte erschienen in zahlreichen Anthologien.

Lebenslauf

Geb. am 19. Februar 1894 in Chynorany. Nach dem Abitur in 1916 in Nitra studierte er an der juristischen Fakultät in Budapest. Mangels finanzieller Mittel musste er jedoch das Studium abbrechen. Er kehrte nach Hause zurück und trat eine Stelle als Notariatspraktikant an. Er absolvierte einen Lehrgang für Notare in Košice und wirkte danach als Notar an mehreren Orten. Seit März 1939 war er in Bratislava am Innenministerium tätig. In den Jahren 1940 - 1945 bekleidete er die Funktion des Vorsitzenden des Verbandes slowakischer Schriftsteller. Ende 1945 wurde er ins Beauftragtensamt für Schulwesen und Volksbildung berufen. 1947 ging er in Pension. Im Hinblick auf seine Funktionen während des Slowakischen Staates war er fast bis zu seinem Tod aus dem künstlerischen und gesellschaftlichen Leben ausgeschieden. Er starb am 6. November 1973 in Bratislava.

Über den Autor

Er war eigentlich ein Dichter-Solitär, der sich in die Literatur durchschlug, ohne den Halt und die Unterstützung einer deklarierten Zugehörigkeit zu einer literarischen Gruppe oder Richtung... sich ausdauernd um die Anerkennung des literarischen Zentrums bemühend. Dann, als es zu dieser Anerkennung kam, wurde er für kurze Zeit zum Leiter, zur großen, vielleicht der größten Erscheinung der zeitgenössischen slowakischen Poesie, und gleich darauf für lange Zeit zu einem gesellschaftlich ins Abseits gezwungenen Autor, einem nicht publizierten Dichter...
Stanislav Šmatlák

Eines der grundsätzlichen Aufbauprinzipien der Poesie von V. Beniak ist die Verwandlung, Ausdruck der Phantasie als bestimmender Zug der dichterischen Persönlichkeit. Verwandlung ist in der Poesie ein altes Verfahren... aber Beniak entwickelte es mannigfaltig und einzigartig als Prinzip der Strukturierung eines modernen Gedichts mit den Merkmalen einer poetistischen, expressionistischen und surrealistischen Poetik... Verwandlungen, Vielstimmigkeit, die Verbindung unterschiedlicher Kontexte, die häufige Anwendung von Kontrast und Paradox, Ruptur, Montage - Ausdruck von Variabilität, Triebkraft in Beniaks Gedichten... dynamischen Charakter hat auch Beniaks Metaphorik. Diese Eigenschaft... verschmilzt mit seiner Explosivität, mit "Massivität und Wildheit", "urwüchsiger Saftigkeit". Zugleich ist dieser Tropus des Autors "Träger einer tiefen dichterischen Erkenntnis, einer Sicht, eines Fühlens und Erlebens", "die Summe von Erfahrungen,gebannt in den treffenden, angemessenen und mitreißenden Wortausdruck, in wirksamer Kürze, was alles sich ins Bewusstsein eingräbt".

Ján Zambor

Erhaltene Auszeichnungen

Nationalpreis für Literatur (1936)
Preis des Verlages Mazáč (1938)
Preis des Weltkongresses der Slowaken (1973)

Ausschnitt aus dem Werk

FÜRSPRACHE EINES DICHTERS
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