Foto Peter Procházka
Foto Peter Procházka




  • Kurz über den Autor

    Pavol Rankov kam am 16. September 1964 in Poprad zur Welt. Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Bratislava studierte er Bibliothekswissenschaft an der Philosophischen Fakultät der

    Pavol Rankov kam am 16. September 1964 in Poprad zur Welt. Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Bratislava studierte er Bibliothekswissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava. Nach dem Studium arbeitete er für kurze Zeit als Methodiker in der Slowakischen Nationalbibliothek in Martin und in der Slowakischen pädagogischen Bibliothek in Bratislava. Seit 1993 ist er Fachassistent am Lehrstuhl für Bibliothekswissenschaft und Informationswissenschaft der Philosophischen Fakultät der Universität Bratislava. Er lebt in Bratislava.

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  • Werke und Werkrezensionen

    Prosa

    • S odstupom času / Mit zeitlichem Abstand (1995)
    • My a oni / Oni a my // Wir und sie / Sie und wir (2001)
    • V tesnej blízkosti / In unmittelbarer Nähe (2004, 1.Ausgabe)
    • Stalo sa prvého septembra (alebo inokedy) / Es geschah am ersten September (oder ein andermal) (2008, 1.Ausgabe)
    • Matky / Mütter (2011, 1.Ausgabe)
    • Päť x päť (2011, 1.Ausgabe)
    • Stalo sa prvého septembra (alebo inokedy) (2011, 3.Ausgabe)
    • Poviedky (2012)
    • Na druhej strane (2013, 1.Ausgabe)

    Essays

    • Masová komunikácia, masmédiá a informačná spoločnosť / Massenkommunikation, Massenmedien und Informationsgesellschaft (2002)

    Fachliteratur

    • Čítanie 2003 (2003, Serie von Studien über die gegenwärtige Situation und das Niveau des Lesens in der Slowakei)
    • Čítanie 2004 (2004, 1.Ausgabe)
    • Čítanie 2005 (2005)
    • Čítanie 2006 (2006)
    • Informačná spoločnosť (2006, 1.Ausgabe)
    • Čítanie 2007 (2007)
    • Čítanie 2008 (2008, 1.Ausgabe)
  • Werkbeschreibung

    Pavol Rankov war darin erfolgreich, den Lesern eine neue Form der slowakischen Literatur anzubieten. Seine Autorenstrategie, die er schon in seinem Buchdebut Mit zeitlichem Abstand anwandte,

    Pavol Rankov war darin erfolgreich, den Lesern eine neue Form der slowakischen Literatur anzubieten. Seine Autorenstrategie, die er schon in seinem Buchdebut Mit zeitlichem Abstand anwandte, kann als epische Essenz seines gesamten bisherigen Prosawerks angesehen werden. Grundlage ist die direkte, dichte, überaus dynamische, mit Sicherheit geführte Narration, die in einigen Fällen so stark kondensiert ist, dass der Text nur mehr sein unverzichtbares, beinahe stichwortartiges Sujet-Skelett behält. Der Autor skizziert die Entwicklung des eigentlichen Themas. Er ordnet das weder sonderlich verästelte noch umfangreiche Sujet der Geschichten entschieden dem finalen Effekt unter, einer plötzlichen, unerwarteten Endung. Diese Endpointe fußt auf dem Prinzip des plötzlichen Aufblitzens eines unerwarteten, unvermittelt auftauchenden Umstands, einer entscheidenden, aber bis dahin versteckten oder übersehenen Tatsache, die der ganzen Geschichte erst ihren rechten Sinn verleiht. Die hauptsächlichen Mittel des Autors bei dieser Methode der schnellen epischen Pointierung sind die Mystifikation, die Suggestion des Geheimnisvollen und der Exotik, das Prinzip der Verschleierung,  plötzliche Bedeutungsänderungen, die neuerliche Hervorhebung einiger anfänglicher Zusammenhänge, der Wechsel des Betrachtungswinkels oder Verschiebungen in der Erzählperspektive. Den Effekt des Geheimnisvollen erzielt Rankov dabei keineswegs durch eine komplizierte, verwickelte Handlung – im Gegenteil, der Plan des Sujets ist von allen Nebendetails befreit und zielt in enormer Geschwindigkeit auf sein bizarres Ende hin, meist einfach bis zum Abreißen, zum Sich-Verlieren in der Unbestimmtheit und nur selten zu einem ausformulierten Abschluss. Vielleicht gilt sogar, dass die Pointe umso durchschlagender ist, je einfacher das Sujet. Rankov hat nicht sein großes Thema, seine Texte konzentrieren sich nicht auf einen einheitlichen Gegenstand, sondern variieren den Zustand der permanenten Bedrohung, der ständigen Flucht, des Erlebens jäh wechselnder Situationen ohne direkten Zusammenhang, der ständigen Oszillation zwischen bewusster Realität und Traumvision, nicht selten in raumzeitlicher Ungewissheit, manchmal in widersprüchlichen Zeiten (exotische Insel, Stammesrituale, dann die Welt der gegenwärtigen Zivilisation, Massenmedien, gleich darauf wieder die archaische Welt). Durch diese schnellen, dynamischen Wendungen und mosaikartige Fragmentierung wird der Leser unaufdringlich und mit einem Anflug schwarzen Humors fast wie bei Dahl in das verborgene, chimärische Bild eines grausigen, hektischen und apokalyptischen Schreckens hineingezogen, in eine Welt der Absurdität und totalen Relativierung. Die Nähe der Prosawerke Rankovs zu den emotional und gedanklich verwandten Texten des magischen Realismus (J. L. Borges, J. Cortazár) und zur neueren slowakischen Prosa mit Elementen der Absurdität (D. Mitana, L. Grendel) bereichert die zeitgenössische slowakische Literatur um eine neue Sichtweise der Realität. Die eklektische, oberflächliche und kommerzialisierte Gesellschaft interessiert Pavol Rankov in seinen essayistischen Arbeiten, wo er in Zeitschriften und Buchform (Massenkommunikation, Massenmedien und die Informationsgesellschaft) zu den Konzepten, Theorien und Meinungen im Bereich der Massenmedien, Reklame, Informationstechnologien und Kultur Stellung nimmt.

     

    Eva Faithová

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  • Übersetzte Werke

    Den Slovakista Novellen (1998 schwedisch) Pontes'96 (1996 englisch) Mit zeitlichem Abstand (2003 bulgarisch, 2010 ungarisch – jeweils mit Unterstützung der

    Den Slovakista Novellen (1998 schwedisch)

    Pontes'96 (1996 englisch)

    Mit zeitlichem Abstand (2003 bulgarisch, 2010 ungarisch – jeweils mit Unterstützung der Kommission SLOLIA LIC)

    In unmittelbarer Nähe (2005 ungarisch, 2007 arabisch – jeweils mit Unterstützung der Kommission SLOLIA LIC)

    Es geschah am ersten September (oder ein andermal) (2010 tschechisch – mit Unterstützung der Kommission SLOLIA LIC)

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  • Von SLOLIA geförderte Werke

  • Über den Autor

    Rankovs kreative Methode hat etwas mit Erfindergeist zu tun. Schon allein das Thema ist immer eigenartig, wenn es auch nach außen hin und anfänglich ganz gewöhnlich scheint. Der

    Rankovs kreative Methode hat etwas mit Erfindergeist zu tun. Schon allein das Thema ist immer eigenartig, wenn es auch nach außen hin und anfänglich ganz gewöhnlich scheint. Der Autor entwickelt es aber zu etwas Bizarrem, Unwirklichem, Überwirklichem; in seinen Werken geschehen also unglaubliche Dinge. Das Buch Mit zeitlichem Abstand wirkt wie eine Sammlung ausgeklügelter Rätselaufgaben, für die sich die verschiedensten Lösungen und Auslegungen anbieten.

     

    Jozef Bžoch

     

    Rankovs Prosawerke beweisen, dass das gute Erzählen der Krise der Geschichten trotzt. Zugleich beweisen sie, dass es möglich ist, attraktiv zu erzählen, die Zeitgenossen anzusprechen, ein philosophisches Geheimnis zu transportieren, ja sogar – für unsere provinziellen Verhältnisse unerhört – mondän zu sein. Vor allem nach den beiden letzten Dingen – dem Geheimnisvollen und der Mondänität – habe ich mich als Leser neuerer slowakischer Literatur immer gesehnt.

     

    Adam Bžoch

     

    Die Suche nach dem Erzählstoff ist gleichsam die Antriebskraft in Rankovs Schriftstellerei. Er erzählt kurze, witzige und unkomplizierte Geschichten, die souverän die Beengtheit der kleinen Heimat hinter sich lassen, die sich in die Welt aufmachen, um dort ihre Pointe zu finden. Durch eine feine Verschiebung der altbekannten Zusammenhänge zeigt sich die Welt weiter und unterhaltsamer als wir es aus dem Alltag gewohnt sind. Mir scheint, dass Rankovs Texte gerade dann am stärksten sind, wenn der Autor nichts anderes will, als erzählen, „was passiert ist“. Der Leser erlebt den Versuch, die Geschichte, das Erzählerische zu einer Renaissance zu führen.

     

    Peter Darovec

     

    Der gesellschaftskritische oder leicht politische Unterton fehlt in Rankovs Geschichten der Sammlung In unmittelbarer Nähe fast völlig (mit Ausnahme der Erzählung Black & White, deren Hauptmotiv eine Ausstellung von Fotografien der Samtenen Revolution aus Anlass ihres dreizehnten Jahrestags ist). Diesmal sind die Geschichten gleichsam außerhalb von Raum und Zeit. Ihnen fehlen die Realien und Zeitangaben, die auch nicht indirekt erschlossen werden können. In Verbindung mit dem konsequent knappen Stil (der schon für die früheren Prosawerke Rankovs charakteristisch ist) und mit dem geradezu beklemmend sachlichen und rationalen Ton entsteht der Eindruck von Schärfe und Entmenschlichung. Der strenge Realismus des Stils kontrastiert dabei mit den Themen der Erzählungen, die im Gegenteil geradezu Übernatürliches (die Erzählung Was Doktor Thompson geträumt haben könnte) oder zumindest Unklar-Geheimnisvolles (die Erzählung Light my fire) behandeln. Sogar in jenen Geschichten, in denen scheinbar gewöhnliche, banale Alltäglichkeiten erzählt werden (die Erzählung Die Nachbarin) klingen dank des harten Stils schauerlich. Schauerlich sind auch die tragenden Motive der Erzählungen: das Krankenhaus und Todkranke (die Erzählung Die neue Menschheit), unklare Überschneidungen zwischen der Welt und dem Schattenreich (eine der gelungensten Erzählungen des Bandes: Zu Besuch bei der Mutter), Geisteskrankheiten (die Erzählung Die Hälfte des Dialogs) oder Morde (in den Erzählungen Die Hälfte des Dialogs und Hunde). Obwohl die Erzählungen also durch ihre knappe und sachliche Sprache den Schein bürgerlicher Alltäglichkeit wecken, weichen die Themen und Wendungen klar vom Alltäglichen ab und gehen absichtlich in die Richtung von Horrorklischees (Geisteskrankheiten, das Jenseits, Krankenhäuser, Sterben). Das alles in Kombination mit hervorragend gesetzten überraschenden Pointen macht aus Rankovs Sammlung ein überaus fesselndes Buch.

    Július Kohút

     

    „Alles ist ausgedacht. Nirgends war etwas, niemand lebte irgendwo. Es gab auch nie einen ersten September.“ Richtet man sich nach dem Incipit in Pavol Rankovs Buch Es geschah am ersten September (oder ein andermal), so bestreitet der Autor das Offensichtliche. Er nimmt das alleinige Recht in Anspruch, sein Talent zur Herstellung von Zusammenhängen zu nutzen, die noch nie jemand zusammenzuführen wagte, und er fügt sie auf eine Weise zusammen, wie es ihm (offenbar) das Gewissen seiner Generation und sein Kunstgefühl eingaben. Das Ergebnis ist – verglichen mit dem, was von den Generationen und Gewissen und Gefühlen vor ihm nur zögerlich versucht wurde – frappierend: Niemand wird glauben, dass das, was in seinem Buch geschieht, tatsächlich geschehen ist. Bei Rankov ist aber am revolutionärsten das Verständnis der slowakischen Geschichte, genauer gesagt, der Geschichte der Slowakei, die sich in Persönlichkeiten und ihren Schicksalen manifestiert: nicht ihre Ethnizität, sondern ihr Ursprung in romanartigen Peripetien spielt dabei die Schlüsselrolle. Seine Figuren stürzen sich mit subjektivistischer Leidenschaft ohne Wissen um die Folgen in die historischen Kataklysmen. Der Autor musste mit vielen widersprüchlichen historischen Umständen, die bis heute zu politischem Zwist führen, zu Rande kommen. Jede Figur muss dieses Fegefeuer durchlaufen und ihre eigene Wahrheit aussieben. Der Autor bewältigt dies sozusagen auf faktographische Weise. Seine Helden sind geradezu mit den historischen Ereignissen imprägniert. Die Ereignisse bestimmen ihre Lebensbahnen, doch ihre Taten diktiert letzten Endes doch nur die globalste aller Strategien – die Liebe. Gerade diese bedingte Faktographie bewahrt den Autor vor der Vereinfachung oder Ideologisierung der Themen, zu denen er, ob er will oder nicht, durch seine Figuren Stellung beziehen muss. Nonchalant leistet Pavol Rankov eine Neubewertung der wohl sinnvollsten Herausforderung des slowakischen Romans, die Überschreitung der Grenzen des Erlaubten.

     

    Alexander Halvoník

     

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  • Autor über sich selbst

    Ich spreche für keine Generation und gehöre zu keiner Generation. Im Übrigen wüsste ich nicht, dass in den letzten zwanzig Jahren bei uns irgendein Dichter oder Schriftsteller

    Ich spreche für keine Generation und gehöre zu keiner Generation. Im Übrigen wüsste ich nicht, dass in den letzten zwanzig Jahren bei uns irgendein Dichter oder Schriftsteller für seine Generation gesprochen hätte. In Zukunft werde ich es den Lesern leichter machen. Ich werde öfter irgendwelche „Enden“ in meine Bücher einbauen, damit sich die Leser nicht mehr so plagen müssen.

     

    Das Internet spiegelt in großem Maß die Fragmentierung, den Eklektizismus, die Oberflächlichkeit und den Kommerz der Informationsgesellschaft, in der wir leben, wider. Es ist voller Gedichte, aber man kann darin kein vollständiges Werk eines Autors finden. Shakespeare, Stephen King, Odysseus und Dracula stehen nebeneinander. Im Netz gibt es viel mehr Interviews mit Autoren über Bücher als Auszüge aus diesen Büchern. Das Internet vermittelt eine riesige Menge von Metainformationen über Literatur. Es erfüllt also derzeit im Verhältnis zur Literatur eine Reklamefunktion. Für die Lektüre künstlerischer Literatur kann das Internet heute die öffentliche Bibliothek nicht ersetzen.

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  • Erhaltene Auszeichnungen

    Ivan-Krasko-Preis (1995) Premio Letterario Internazionale Jean Monnet (1997) Preis der Tageszeitung SME beim Literaturwettbewerb Poviedka 2001 Literaturpreis der

    Ivan-Krasko-Preis (1995)

    Premio Letterario Internazionale Jean Monnet (1997)

    Preis der Tageszeitung SME beim Literaturwettbewerb Poviedka 2001

    Literaturpreis der Europäischen Union (2009)

    Prämie des Literarischen Fonds für heimische Literatur im Jahr 2011 für das Prosawerk Mütter (Matky) (2011)

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